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Geschichte

Historischer Hintergrund

SchlosshexDem Hexenwahn des Mittelalters fielen auch in Tiengen Bürgerinnen und Bürger zum Opfer. Die Hinrichtung der Frau Maria Grießer aus dem Klettgau-Bühl fällt in das Jahr 1682. Sie wurde beschuldigt, das Wetter zu Unwetter und Hagel verhext, Gott und die Heiligen verleugnet, Geißen gelähmt sowie sich dem Teufel ergeben zu haben. Trotz mehrmaligem Widerruf der durch schwere und grauenvolle Folter erpreßten Geständnisse wurde sie gnadenhalber enthauptet und hernach der Leichnam auf dem Scheiterhaufen in Tiengen verbrannt. Der durch die Kirche gestützte Hexenwahn dauerte bis in das 18. Jahrhundert an.

Gründung der Schlosshexen Tiengen

Ohne Berücksichtigung des zweifellos historischen Hintergrunds wurden am 16.04.1992 die Schlosshexen Tiengen durch Holger Frank, Kurt Baumgartner, Georg Bächtold und Oliver Frank gegründet. Der Name Schlosshexen bezieht sich auf das Tiengener Schloss wo sich das Gericht des Klettgaus befand. Er wurden Masken und Häs entworfen, so dass unverzüglich mit dem Schnitzen der Holzmasken sowie dem Nähen des Häses begonnen werden konnte.

Schlosshexen am UmzugAm 11.11.92 war es dann soweit: Zum Fasnachtsauftakt konnte man erstmals die Gruppe und das Häs der Öffentlichkeit vorstellen, ebenso konnten drei weitere Aktiv-Mitglieder gewonnen werden. Alle Mitglieder sahen nun gespannt der Fasnacht 1993 entgegen.

Um sich bekannt zu machen, nahm man an Umzügen und Narrentreffen im Umland teil und besuchte Zünfte in der nahen Umgebung. Die Gründungsmitglieder sahen und sehen noch heute den Schwerpunkt in der Gestaltung der Tiengener Fasnacht. So wurde am 11.11.1993 das erste Hexenfeuer inszeniert. Bei dieser Zeremonie werden die Hexen zu neuem Leben erweckt. Sie tanzen um den brennenden Scheiterhaufen und trotzen mit anschließenden wagemutigen Sprüngen durch das Feuer den lodernden Flammen. Mit dabei sind auch die "Hexenlüter", die mit ihren Landsknechttrommeln die Hexen herbeirufen. Diese wurden 1994 als neue Gruppe gegründet und den Hexen angegliedert. Zum festen Bestandteil im Programm der Schlosshexen ist seit 1994 das Mitwirken an der "Hoorigen Mess" (Straßenfasnacht) sowie dem Umzug am Fasnachtssonntag in Tiengen.

Aufnahme in die Narrenvereinigung Kleggau

Aufregung und Diskussion gab es, als die Schlosshexen 1997 in die Narrenvereinigung Kleggau aufgenommen wurden. Dieser Aufnahme stand eine Abmachung des Arbeitskreises Südwestdeutscher Narrenvereinigungen und -Verbände gegenüber, nach der aus einem Ort zwei Narrenvereine nicht zwei verschiedenen Verbänden angehören sollten. Nach verschiedenen Absprachen stand dann einer Aufnahme in die Narrenvereinigung nichts mehr entgegen.

Die Narrenzunft Schlosshexen Tiengen e.V. besteht zur Zeit aus 20 aktiven Hexen und 10 Hexenlüter, wovon 5 Maskenträger sind.


Ein treffender Kommentar unserer
Schweizer Freunde der "Tschäggättä"

"Tendenziell neigt der Mensch dazu, nur Altes und wenn möglich nicht Datierbares als Tradition, als echte Kultur zu bezeichnen und Neueres als modernen Kitsch ab zu tun. Fehlt es hier an Selbstbewusstsein? Wie ist es zu verstehen, dass wir es unseren Vorfahren zutrauen Grosses erschaffen zu haben, diesbezüglich an uns selbst aber nicht zu glauben?

Die Besinngung auf Tradition und Kultur ist sicherlich ein wichtiger Faktor, um einen Teil seiner eigenen Geschichte verstehen zu können. Jedoch ist es ebenso wichtig zu verstehen, dass Geschichte nicht nur war - sondern jeden Tag passiert.

So sehne ich mich nicht mit Verzweiflung nach der Zeit, in der die ersten Tschäggatta Geschichte geschrieben haben sondern lebe heute den Tag, welcher Morgen zur Tradition wird. Es kann nur recht sein, wenn wir heute stolz auf das sind, was in 100 Jahren unsere Nachkommen als kostbares Erbe verstehen werden. Unter diesem Gesichtspunkt erkenne ich mit Genugtuung, dass ich dem Ursprung näher nicht sein kann. " (Bernhard Rieder)


» Was verbirgt sich hinter den Figuren und Masken ...?